5. Mose 31,24-27

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nusskeks

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Re: 5. Mose 31,24-27

von nusskeks am 30.06.2026 13:12

Hallo Merciful,

mir ist nicht ganz klar, worauf Du hinauswillst. Da Du lediglich eine bestimmte Aussage aus meinem Beitrag zitierst, vermute ich, dass Du meiner Aussage widersprechen möchtest, Jesus und die Apostel ließen keinen Zweifel daran, dass die Schrift in allem verbindliche göttliche Autorität besitzt. Falls das so ist, sehe ich den Zusammenhang zu Deiner Erwiderung noch nicht richtig.

Denn ja, Jesus differenziert hier tatsächlich. Aber diese Differenzierung spricht nicht gegen die göttliche Autorität der Schrift, sondern zeigt, wie sorgfältig Jesus die Schrift auslegt. Weder wird die Schöpfungsordnung aufgehoben, noch war der Scheidebrief falsch. Beides gehört zusammen.

Jesus stellt Mose nicht gegen Gott, als hätte Mose eigenmächtig eine menschliche Sondermeinung in Gottes Gesetz eingebracht. Er unterscheidet vielmehr zwischen Gottes ursprünglicher Schöpfungsordnung und einer Regelung, die wegen der Herzenshärtigkeit Israels gegeben wurde. Eine solche Regelung ist nicht deshalb falsch oder ungöttlich. Sie hat nur eine andere Funktion: Sie offenbart nicht Gottes ursprüngliches Ideal, sondern ordnet und begrenzt das Leben gefallener Menschen.

Gerade darin zeigt sich die Weisheit Gottes in der Tora. Die Schrift enthält nicht nur Schöpfungsordnung, sondern auch Gebote, Gerichtsordnungen, Schutzbestimmungen, Zugeständnisse und heilsgeschichtliche Übergangsregelungen. Nicht alles ist in derselben Weise und für jeden normativ, aber alles ist zuverlässig und mit göttlicher Autorität gegeben.

Jesus relativiert also nicht die Schrift. Er korrigiert eine falsche Anwendung der Schrift durch die Schrift selbst. Die Scheidungsregelung aus Mose durfte nicht gegen Gottes ursprünglichen Willen aus Genesis ausgespielt werden. Genau das ist für mich kein Argument gegen das biblische Selbstzeugnis, sondern ein starkes Beispiel dafür, wie Jesus die Tora als Gottes Wort ernst nimmt und richtig ordnet.

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Merciful

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Re: 5. Mose 31,24-27

von Merciful am 30.06.2026 08:36

nusskeks schrieb:
Jesus und die Apostel lassen keinen Zweifel daran, dass die Schrift verbindliche göttliche Autorität besitzt. In Allem.

So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!
Sie sprachen zu ihm: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden?
Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen;
von Anfang an aber ist's nicht so gewesen.
 
(Evangelium nach Matthäus 19,6-8; Lutherbibel 2017 [(C) Deutsche Bibelgesellschaft])
 
Jesus wusste sehr wohl zu differenzieren.
 
Als damals Juden zu Jesus kamen und ihn fragten, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau.
 
Da antwortete Jesus, dass der Mensch nicht solle scheiden, was Gott zusammenfügte.
 
Daraufhin brachten jene Juden die Möglichkeit des Scheidebriefes zur Sprache, die ihnen doch Mose eingeräumt hatte.
 
Jesus korrigierte dann die Gedanken jener Juden, indem er darauf verwies, dass es von Anfang an nicht so gewesen sei.
 
Jesus unterscheidet hier ausdrücklich den ursprünglichen und noch immer bestehenden Willen Gottes einerseits.
 
Und jene Regelung, die Mose den Israeliten eingeräumt hatte ihres Herzens Härte wegen, andererseits.
 
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Antworten Zuletzt bearbeitet am 30.06.2026 08:50.

nusskeks

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Re: 5. Mose 31,24-27

von nusskeks am 28.06.2026 20:30

Da halte ich doch lieber daran fest, wie Jesus und die Apostel mit den Schriften umgingen. Sie betrachten und zitierten die Schriften als das Wort Gottes und zwar teilweise selbst dann, wenn der Ewige in der zitierten Stelle gar nicht als wörtliche Rede vorkommt. Das setzt sich auch bereits innerhalb des Neuen Testamens fort. 

Gott hat durch Menschen gesprochen, nicht an ihnen vorbei. Die biblischen Autoren waren keine willenlosen Werkzeuge, sondern echte Menschen in ihrer Zeit. Das gehört zum Wesen der Schrift.

Aber ich würde daraus nicht folgern, dass wir mit Irrtum in Gottes Wort rechnen sollten. Nach dem biblischen Selbstzeugnis ist die Schrift gerade in ihrer menschlichen Gestalt Gottes verlässliches Reden.

Wie gesagt: Jesus und die Apostel lassen keinen Zweifel daran, dass die Schrift verbindliche göttliche Autorität besitzt. In Allem. Menschliche Begrenztheit erklärt die geschichtliche, sprachliche und persönliche Gestalt der Bibel — sie begründet aber nicht ihre Fehlbarkeit.

Die Bibel ist nicht vollkommen, weil ihre menschlichen Autoren allwissend waren. Sie ist zuverlässig, weil Gott durch diese begrenzten Menschen zuverlässig geredet hat. 

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Merciful

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Re: 5. Mose 31,24-27

von Merciful am 28.06.2026 12:21

Ich halte die Bibel für vertrauenswürdig.
 
Vertrauen als Einstellung oder Haltung oder Verhalten bezieht sich auf ein personales Gegenüber.
 
Wir vertrauen als Christen auf Jesus Christus und durch ihn auf Gott, den Schöpfer und Herrn des Himmels und der Erde.
 
Vertrauen bedeutet, dass wir daran festhalten, dass Gott es gut mit uns meint.
 
Wir vertrauen ferner darauf, dass die biblischen Autoren ihrerseits mit Gott unterwegs waren.
 
Sie vertrauten ihrerseits auf Gott und ließen sich leiten durch Gottes Weisung und Werk.
 
Sie wurden durch Gottes Geist inwendig bewegt, geführt, inspiriert.
 
Bedeutet dies, dass wir die Allmacht, Allwissenheit, Vollkommenheit Gottes auf die Bibel übertragen dürfen?
 
Dürfen wir von vornherein proklamieren, dass die Bibel frei von Fehlern, Irrtümern, Ungenauigkeiten, Widersprüchen sein muss?
 
Ich persönlich nehme hier die Schrift so, wie sie sich mir zeigt, eben weil ich ihr vertraue.
 
Ich sage nicht: "So und so muss die Bibel sein und so und so darf sie nicht sein."
 
Vertrauen auf Gott und die Schrift bedeutet gerade, sie so zu lesen und anzunehmen, wie sie ist.
 
Es hat Gott gefallen, durch Menschen zu uns zu sprechen.
 
Er hat in der Geschichte seines Volkes gehandelt und Propheten haben Gottes Wort verkündigt.
 
Die Worte der Propheten haben Gottes Werke angekündigt, gedeutet, offenbart.
 
Wir dürfen uns das Wirken der Propheten nicht im Widerspruch zur Bibel so denken, als ob sie willenlos agierten.
 
Sie waren als auf Gott vertrauende Menschen durch die bewusste Bildung ihrer Gedanken an der Botschaft, die sie verkündigten, beteiligt.
 
Dabei wurden deren Einsichten, Erfahrungen, Erkenntnisse wirksam, die sich in deren Leben mit Gott in ihrem Inneren ausgebildet hatten.
 
Als Menschen in Raum und Zeit, als Angehörige des Altertums hatten sie ihren jeweiligen kulturellen Hintergrund.
 
Als Menschen waren sie nicht allmächtig, nicht allwissend, ihre Erkenntnisse waren begrenzt, wie auch Paulus feststellte.
 
Und doch hat es Gott gefallen, durch Menschen zu uns zu sprechen.
 
Daher können wir verstehen, was Gott uns sagt und was er uns zeigt.
 
Er spricht unsere Sprache, indem er durch Menschen sich uns mitteilt.
 
Eines habe ich erkannt: Unsere Erlösung von Sünden beruht auf Gottes Werk, Christus starb für uns.
 
Unsere Erlösung, unser Handeln und Leben, beruhen nicht darauf, dass Gottes Wort sich frei von jeder menschlichen Begrenztheit zeigt.
 
Wir glauben, dass Gott, der Herr, die 10 Gebote damals mit seinem Finger in die beiden Steintafeln eingegraben hat.
 
So hätte er auch die Bücher der Bibel selbst, also eigenhändig, ohne Mitwirkung durch die Propheten, verfassen können.
 
Aber hätten wir dadurch irgendwie irgendeinen Vorteil gegenüber der Bibel, die uns nun durch Propheten und Apostel übergeben ist?
 
Ich denke nein. Denn wir selbst sind begrenzt, unser Denken und Erkennen bleiben Stückwerk.
 
Eine perfekte Bibel, die keinerlei Ungenauigkeiten oder gar Irrtümer enthielte, würde uns keine tiefere Erkenntnis bescheren.
 
Ich danke Gott für seine Gabe, der durch Propheten und Apostel in der Geschichte seines Volkes zu uns Sterblichen gesprochen hat.
 
Merciful

Antworten Zuletzt bearbeitet am 28.06.2026 12:28.

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Re: 5. Mose 31,24-27

von nusskeks am 28.06.2026 06:23

Burgen: Habe mal gelesen, dass die fünf Bücher Mose nicht nur durch Mose geschrieben wurde. Ähnlich wie bei Jesaje und Johannes. Denke, der eigentliche Autor ist ja Gott selbst ...

Dabei handelt es sich meist um Aussagen von liberalen Theologen, also von Menschen, die weit davon entfernt sich der Bibel irgendeinene besondere Vertrauenswürdigkeit oder gar göttliche Inspiration zuzumessen. Es kann jeder Theologie studieren, egal ob er Jesus lieb hat oder Atheist ist. Daher würde ich immer schauen, wer solche Aussagen macht.

Die Theologie die an deutschen Universitäten gelehrt wird, baut auf atheistischen Grundannahmen auf. Das bedeutet, dass man keinen Gott braucht, um diese Theologie zu betreiben. Dieser Punkt ist wichtig, da Theologie schon lange darum kämpft, von anderen Studiengängen überhaupt als "Wissenschaft" anerkannt zu werden und damit eine Berechtigung zu haben, an allgemeinen Hochschulen einen Platz haben zu dürfen. Hinzu kommt natürlich, dass es sehr einflussreiche Theologen gegeben hat, die der Bibel jeglichen übernatürlichen Mehrwert absprechen.

Wer als bekennender Jesusnachfolger an einer deutschen Uni Theologie studiert muss also eher aufpassen, sein Vertrauen in Gott und Bibel nicht zu verlieren als er darin gestärkt und weiterentwickelt wird.

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Re: 5. Mose 31,24-27

von Burgen am 27.06.2026 21:27


Habe mal gelesen, dass die fünf Bücher Mose nicht nur durch Mose geschrieben wurde. Ähnlich wie bei Jesaje und Johannes. Denke, der eigentliche Autor ist ja Gott selbst ...  

Für mich liest sich die obige Bibelstelle bündig.
 Es geht schlüssig über zu Josua. Wissenschaftler haben vielleicht andere Erkärungen 'herausgearbeitet' .

Interessante Beobachtungen, jedenfalls ;) 



Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! 
2.Kor 5,17 (Schl 1995) 

In Ihm leben, weben und sind wir! (als wiedergeborene Christen)  


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Re: 5. Mose 31,24-27

von nusskeks am 27.06.2026 19:42

Mir gefallen solche Überlegungen auch immer sehr. Wenn man sich mit solchen Themen befasst, finde ich es wichtig im Hinterkopf zu haben, dass weder Jesus noch die Apostel irgendeinen Zweifel daran erkennen lassen, dass die Tora göttlichen Ursprung und mosaische Autorität besitzt.

Sie sprechen selbstverständlich von „Mose", vom „Gesetz des Mose", von dem, was „Mose geschrieben" oder „gesagt" hat, und behandeln diese Schriften zugleich als verbindliches Wort Gottes.

Mögliche Fragen nach Rahmung, Überlieferung oder Abschlussnotizen ändern daran nichts. Nach dem biblischen Selbstzeugnis ist der Pentateuch seinem Ursprung, seiner Autorität und seinem Zeugnis nach Gottes Wort durch Mose.

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5. Mose 31,24-27

von Merciful am 27.06.2026 16:05

24 Als nun Mose damit fertig war, die Worte dieses Gesetzes vollständig in ein Buch zu schreiben, 25 gebot er den Leviten, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, und sprach:26 Nehmt dieses Buch des Gesetzes und legt es neben die Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, dass es dort ein Zeuge sei wider dich. 27 Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, jetzt schon, während ich noch bei euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen gegen den HERRN; wie viel mehr nach meinem Tode!
 
(5. Mose 31,24-27; Lutherbibel 2017 [(C) Deutsche Bibelgesellschaft])
 
Wir wissen nicht, wer die fünf Bücher Mose geschrieben hat.
 
Aber diese Verse in 5. Mose 31,24-27 zeigen doch recht deutlich Folgendes:
 
Das Gesetz, welches von Mose vor seinem Tode noch einmal gepredigt worden war, wurde von diesem in ein Buch geschrieben.
 
Mose hat also ein Buch des Gesetzes geschrieben.
 
Dieses Buch des Gesetzes dürfte im Buch 5. Mose enthalten sein, ist aber nicht mit diesem identisch.
 
Denn die Verse 24 und 25 dieses Abschnitts stammen offensichtlich von einem späteren Erzähler.
 
Dieser spätere Erzähler schreibt von Mose in der 3. Person Singular und er wählt die Vergangenheitsform.
 
In den Versen 26 und 27 zitiert der Erzähler Worte Moses.
 
Worte, die dieser offenbar mündlich äußerte, nachdem jenes Buch des Gesetzes vollendet worden war.
 
Mose gebot den Leviten, das Buch des Gesetzes neben die Bundeslade zu legen, dass es dort ein Zeuge sei wider sie.
 
Wer dieser Erzähler gewesen ist, erfahren wir nicht.
 
Offen bleibt für mich hier die Frage, ob die mündlich geäußerten Worte Moses dann lediglich mündlich überliefert worden waren.
 
Oder ob diese dem Erzähler bereits in schriftlicher Form vorlagen.
 
Es wäre möglich, dass diese Worte etwa nach dem Tode Moses noch in schriftlicher Form fixiert worden sind.
 
Freilich, ich weiß, solche Überlegungen sind nicht für jeden Bibelleser von Interesse.
 
Es gibt auch Bibelleser und -leserinnen, die schlicht zur Kenntnis nehmen, dass
 
1.) Mose ein Buch des Gesetzes geschrieben hat und
 
2.) Mose danach dann gebot, dieses Buch des Gesetzes neben die Lade des Bundes des HERRN zu legen.
 
Ich persönlich interessiere mich aber auch für solche Fragen, wie die Texte gewachsen sind im Laufe der Zeit.
 
Eines ist mir noch aufgefallen:
 
Im Buch 2. Könige 22 erfahren wir, dass das Buch des Gesetzes wieder aufgefunden wurde durch den Hohepriester Hilkija.
 
Und der Hohepriester Hilkija sprach zu dem Schreiber Schafan:
Ich habe das Buch des Gesetzes gefunden im Hause des HERRN.
Und Hilkija gab das Buch Schafan, und der las es.
 
(2. Könige 22,8; Lutherbibel 2017 [(C) Deutsche Bibelgesellschaft])
 
Liest man dort das ganze Kapitel, gewinnt man den Eindruck, dass das Buch des Gesetzes bis in die Zeit des Königs Josia in Vergessenheit geraten war. Falls dieses im Hause des HERRN aufgefundene Buch noch identisch gewesen ist mit jenem von Mose geschriebenen Buch, würde dies meines Erachtens dafür sprechen, dass das Buch 5. Mose dann zur Zeit Josias oder im babylonischen Exil auf Grundlage des von Mose geschriebenen Buches des Gesetzes geschrieben worden ist.
 
Merciful

Antworten Zuletzt bearbeitet am 27.06.2026 17:30.

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